Die Technik steht, die Stationen sind gesetzt – und dann? Dann entscheidet der Text, ob Besucher:innen gebannt zuhören oder gelangweilt weiterlaufen. Stationstexte schreiben ist keine Zauberei, aber es folgt ein paar klaren Regeln. Dieser Leitfaden zeigt sie – mit Beispielen für GPS-Touren, Museumsguides und Stadtrundgänge.
Warum der Text über Erfolg oder Langeweile entscheidet
Menschen merken sich Geschichten, nicht Faktenlisten. Vor Ort, mit dem Smartphone in der Hand, ist die Aufmerksamkeit kurz und die Konkurrenz groß – das echte Objekt, die Umgebung, das Wetter. Ein guter Stationstext gewinnt diesen Wettbewerb in den ersten zwei Sätzen oder gar nicht.
7 Regeln für gute Stationstexte
1. Kurz halten
Als Faustregel: 60 bis 120 Wörter pro Station. Wer draußen steht, liest keine Buchseiten. Lieber eine starke Idee gut erzählt als drei mittelmäßige.
2. Mit einer Frage oder Überraschung beginnen
Der erste Satz ist der wichtigste. Eine Frage, eine ungewöhnliche Zahl, ein Widerspruch – alles, was neugierig macht. „Wussten Sie, dass an dieser Stelle einmal …?“ zieht besser als „Dieses Gebäude wurde 1723 errichtet.“
3. Eine Geschichte statt einer Datenliste
Jahreszahlen und Maße sind Beiwerk. Der Kern ist ein Mensch, ein Konflikt, ein Wandel. Wer hat hier gelebt, gekämpft, gefeiert? Was ist passiert – und warum berührt es uns heute noch?
Eine gute Station beantwortet drei Fragen: Was sehe ich hier? Warum ist das wichtig? Und was hat das mit mir zu tun?
4. Konkret und sinnlich schreiben
Nicht „bedeutendes Handelszentrum“, sondern „hier stapelten sich Ballen mit Pfeffer, der teurer war als Silber“. Konkrete Bilder bleiben hängen, Abstraktes verpufft.
5. Fürs Ohr schreiben
Viele Stationen werden als Audio gehört – ideal, weil der Blick frei für die Umgebung bleibt. Schreiben Sie, wie Sie sprechen: kurze Sätze, aktive Verben, keine Schachtelsätze. Lesen Sie den Text laut – wo Sie stolpern, kürzen Sie.
6. Aktiv einbinden
Eine kleine Aufgabe oder Quizfrage verwandelt Zuhören in Entdecken. „Finden Sie das Steinmetzzeichen an der dritten Säule“ lässt Menschen wirklich hinschauen – besonders Familien und Schulklassen.
7. Vorlesen und kürzen
Der letzte Schliff: Lesen Sie jeden Text laut, streichen Sie jedes zweite Adjektiv und alles, was nicht zur Kernidee gehört. Kurz gewinnt fast immer.
Aus Info wird Geschichte – ein Beispiel
Vorher: „Die Stadtmauer wurde im 14. Jahrhundert errichtet und war 2,5 Kilometer lang.“
Nachher: „Stellen Sie sich vor, Sie bräuchten eine Stunde, um Ihre Stadt einmal zu umrunden – immer an einer Mauer entlang, hoch wie ein Haus. Genau hier begann sie.“ Gleiche Fakten, doppelte Wirkung.
Alle Texte, Bilder und Aufgaben pflegen Sie selbst im Bearbeitungsportal – und ändern sie jederzeit, wenn Ihnen ein besserer Satz einfällt.
Bereit für Ihre erste Tour?
Setzen Sie Ihre Geschichten in eine eigene GPS-Tour um – ohne Programmierung.
Eigene Tour erstellenHäufige Fragen
Wie lang sollte ein Stationstext sein?
Als Richtwert 60 bis 120 Wörter bzw. 30 bis 60 Sekunden Audio. Wichtiger als die Länge ist ein starker erster Satz.
Text oder Audio – was ist besser?
Am besten beides: Audio hält den Blick frei, Text hilft bei Geräusch oder ohne Kopfhörer. Sie können pro Station beides hinterlegen.
Wer schreibt die Texte?
Sie selbst im Portal – oder Sie lassen sich im NAVIGATE-Universum redaktionell unterstützen. Beide Wege stehen auf der Startseite.
Wie viele Stationen sollte eine Tour haben?
Für 60 bis 90 Minuten haben sich 8 bis 15 Stationen bewährt – mit gutem Rhythmus aus kurzen und ausführlichen.